Ein historischer Ort

Die Theatergassen in Bamberg sind ein historischer Ort, der an das jüdische Leben in der Stadt erinnert. Sie sind nach dem E.T.A. Hoffmann Theater benannt, das sich in unmittelbarer Nähe befindet. 

 

Die Geschichte der Theatergassen ist in den letzten Jahrhunderten sehr wechselhaft gewesen. Während das Areal im frühen Mittelalter noch vor den Stadttoren als teils feuchtes Ackerland lag, wurde es später der jüdischen Besiedlung zugeführt. So entstanden nach 1630 hier die dritte Synagoge, sowie das Rabbiner-Haus an der Generalsgasse (heute Generalsgasse 15). Die Synagoge wurde 1853 erweitert und zur vierten Synagoge umgebaut, um mehr Platz für die wachsende Gemeinde zu schaffen.

 

Die Historikerin Michaela Schmölz-Häberlein beschreibt das Gebiet als einen der wichtigsten Orte, um rund 500 Jahre jüdischer Geschichte in Bamberg sichtbar zu machen. Viele jüdische Häuser lagen in Hellerstraße, Generalsgasse und den angrenzenden Gassen.

 

1924 wurde das bereits profanierte Synagogengebäude an den St.-Otto-Verlag verkauft und fortan als Lagerraum genutzt.

 

1985, beim Neubau der Theatergassen wurde das baufällige Gebäude abgerissen. Erhalten blieb das historische Portal, das den Eingang der Neuen Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg bildet. 
 

Die Häuser waren alle zu den Gassen ausgerichtet (Zinkenwörth) und dahinter lag eine große Wiese (heute bebaut mit den Gebäuden und Freiflächen der Theatergassen). Später entstand ein Gartenpavillion neben der Synagoge. Dieser ist im wesentlichen noch als Barockbau erhalten und bildet den Durchgang zur Görrespassage. 

 

Am Haus Theatergassen 1 findet sich eine Gedenkplatte zu Ehren der Synagogen und im Eingangsbereich der Theatergassen eine Installation des Künstlers Stefan Wagenhäuser, die das Portal der Synagoge darstellen soll.

 

Nach 1800 wurde einige Straßen weiter eine neue 5. Synagoge gebaut (Synagogenplatz am Amtsgericht), die in der Kristallnacht in Flammen aufging.

 

Insgesamt waren im Bamberger Umland im 19.Jahrhundert in vielen Ortschaften jüdischen Bürger sehr aktiv. Es sei nur an die Auswanderer Levi Strauss (Jeans) und einen Kaufmann aus Rattelsdorf erinnert (sanierte in den USA die Wells-Fargo Bank) und in Bamberg die Hopfenhändler mit den schönen Villen an der heutigen Hainstrasse, nicht weit von den Theatergassen.

 

Die Theatergassen waren aber immer noch ein Zentrum des Jüdischen Lebens mit späterer Brauerei und Biergarten des Gasthauses "Weiße Taube" (koshere Speisen!) und der noch vorhandenen älteren Synagoge.

 

In der Zeit um 1942 wurde das Gasthaus "Weiße Taube"zum Sammelpunkt für die Deportationen in die Lager. Das Gasthaus wurde später zerrstört (Bereich heutiges Hotel Ibis und Theatergassen 9).

 

Hierzu wurde auf Initiative der Eigentümergemeinschaft Theatergassen eine Fotoinstallation zur Erinnerung erstellt (siehe unten).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit Oktober 2023  steht  in der Mitte des ehemaligen Biergartens eine Gedenksäule zu Ehren der Weißen Taube und seit Mai 2024 ein weiteres Gedenksäulenpaar durch einen Bogen verbunden, das den Eingang der Synagoge künstlerisch darstellen soll.

 Früher: Biergarten und Synagoge in den heutigenTheatergassen

 

Mehr Infos zur Säule hier.